Psilocybe cyanescens: "Drogenpilz" Blauer Kahlkopf breitet sich angeblich invasiv in der Schweiz aus

Psilocybe cyanescens (Blauer Kahlkopf)
Psilocybe cyanescens (Blauer Kahlkopf)

Laut dem Schweizer Magazin "Tagesanzeiger" würde sich ein böser "Drogenpilz" in der Schweiz ausbreiten. Es handele sich um den Blauen Kahlkopf mit der lateinischen Bezeichnung Psilocybe cyanescens. Aus illegalen Pilzzuchten sei dieser die Gesellschaft zerstörende Schädling in die Umwelt gelangt und bedrohe nun das Abendland. Der "Tagesanzeiger" schreibt hierzu:

Die Experten gehen davon aus, dass viele der Pilze mit Holzlieferungen, Verpackungsholz oder Holzschnitzeln nach Europa eingeführt wurden.

[…]

Ebenfalls aus Zuchten – allerdings aus illegalen – dürfte der «Zauberpilz» Psilocybe cyanescens [Blauer Kahlkopf] stammen, ein halluzinogener Rauschpilz, wie es in der Mitteilung heisst. In Acht nehmen sollten sich Pilzsammler auch vor dem Parfümierten Trichterling aus Nordafrika, der schwere Vergiftungen verursacht und leicht mit den einheimischen Trichterlingen und Rötelritterlingen verwechselt werden kann.

Blauer Kahlkopf (Psilocybe cyanescens) – Vorkommen in Europa

Abgesehen davon, dass Verwechslungsgefahr bei Pilzen völlig normal ist und sie daher auch nie von Laien gesammelt werden sollten (vergleich Spitzkegeliger Kahlkopf), ist die Herbeihalluzinierung einer Invasion völlig übertrieben. Denn bereits ein Blick in den eingangs verlinkten Wikipedia-Artikel zeigt, dass der der Blaue Kahlkopf (Psilocybe cyanescens) natürlicherweise in Europa vorkommt und hier längst beheimatet ist:

Der Blauende Kahlkopf kommt in Nordamerika, Nordafrika und Europa vor. In Europa wurden Funde aus Sardinien, Serbien, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, der Schweiz, Tschechien und Deutschland berichtet. In Deutschland kommt die Art selten vor.

magic mushrooms kaufen und online bestellen als werbebannerDer Artikel des "Tagesanzeiger" ist demnach typisch für die fachunkundige Panikmache des Mainstreamjournalismus. Allein die Verwendung des Wortes "Drogenpilz" impliziert eine völlig unreflektierte, stereotype Diffamierung von "Magic Mushrooms" alias halluzinogenen, psilocybinhaltigen Zauberpilzen als grundschlechte Drogen. Dabei zeigt ein Blick in die wissenschaftliche Statistik über die Gefährlichkeit berauschender Substanzen, dass psychoaktive Pilze als ungefährlich ganz hinten anzusiedeln sind:

Wann werden die Systemmedien endlich lernen, dass halluzinogene Drogen zu den ungefährlichsten Rauschmitteln überhaupt gehören? Und dass die Alltagsdroge Alkohol als die Schädlichste von allen eingestuft gehört? Wir wagen eine Prognose: Nie! In diesem aktuellen System samt seiner Kartellmedien wird es dazu nie kommen…

Blauer Kahlkopf (Psilocybe cyanescens) – Wissenswertes

Abschließend noch Wissenswertes zum Blauen Kahlkopf (Psilocybe cyanescens).

Der Blauende Kahlkopf bildet relativ robuste, in Hut und Stiel gegliederte Fruchtkörper mit zentral stehendem Stiel. Der Hut wird 1–7 cm breit ist zunächst kegelförmig, später flach und gewellt. Seine Oberfläche ist in feuchtem Zustand braun lederfarben und leicht klebrig, trocken fahl weiß oder gelblich bis ockerbraun. Die Lamellen haben eine zimt-, kastanien- oder graubraune, manchmal fast umbrabraune Farbe mit blasserer Schneide, sie sind ausgebuchtet angewachsen. Der 5–8 cm lange und 2–5 mm starke Stiel ist relativ steif und weißlich, im Alter kann er sich von der Basis her blau verfärben. Das Velum ist netzartig, dünn und weißlich. Der Fruchtkörper riecht dumpf und kartoffelartig oder nach Mehl. Im Alter verfärbt sich der Pilz an Druckstellen blaugrün.

Der Blauende Kahlkopf besiedelt als Saprobiont verrottende Holz- und Pflanzenreste, er kommt auf ruderalen Standorten, an lichten Waldwegen und in Parkanlagen vor, seine Vorkommen sind unstet.

Der Blauende Kahlkopf wirkt aufgrund seines Psilocybin- und Psilocin-Gehalts psychedelisch und kommt deshalb als Speisepilz nicht in Frage. Wegen dieser Inhaltsstoffe ist der Besitz und Handel von Pilzen jener Art nach dem Betäubungsmittelgesetz in der BRD und den meisten anderen europäischen Ländern untersagt.

Die kuriose Frage aber lautet ja auch: Wenn der Besitz des Blauen Kahlkopfes alias Psilocybe cyanescens verboten ist, was macht dann ein Grundstückbesitzer, der diesen halluzinogenen Pilz auf seinem Grund und Boden zu stehen hat? Man stelle sich vor, eine ganze Kolonie hat sich angesiedelt – macht er sich dann strafbar? Es ist doch sowas von absurd, (einheimische) Lebewesen zu kriminalisieren! Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf?

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