Deepdotweb down: FBI legt Darknet-Linklistenverzeichnis still

Derzeit scheinen die internationalen Ermittlungsbehörden dem Darknet und seiner Strukturen einen Schlag nach dem anderen zu verpassen: Das FBI hat das Darknet-Linklistenverzeichnis “Deepdotweb.com” hochgenommen und die Betreiber verhaftet.

Erst letzte Woche feierten Polizeibehörden nach internationaler Zusammenarbeit die Stilllegung des bis dahin zweitgrößten Darknetmarktplatzes zum Handel mit illegalen Dingen (vor allem den Kauf von Drogen) namens Wallstreet Market, der von 3 Deutschen betrieben worden sein soll. Kurz zuvor teilte der bis dahin größte Drogendarknetmarkt mit dem Namen Dream Market mit, ab dem 30.4.2019 ebenfalls vom Netz zu gehen. Es wird vermutet, dass auch dahinter die Polizei steckt und womöglich eine Nachfolgeplattform als “honeypot” (Falle) aufziehen will.

deepdotweb screenshot fbi
Diese Meldung erscheint beim Anwählen der Seite Deepdotweb.com – das FBI hat die Seite beschlagnahmt

Doch was war Deepdotweb eigentlich und warum hört man in letzter Zeit von so vielen Zerschlagungen des Darknets und seiner Strukturen?

Deepdotweb.com war eigentlich nichts weiter als ein Linkverzeichnis zu Darknetadressen. Man konnte diese Seite – anders als das “echte Darknet” – auch ohne TOR-Browser ganz normal ansurfen und besuchen. Bei Google stand Deepdotweb stets ganz oben. Benutzer kommentierten und bewerteten auf dieser Seite u.a. Darknetmärkte. Neulinge fanden so einen Weg auf die illegalen Handelsbörsen. Es war also gewissermaßen ein Eingangstor fürs Darknet, um sich zu informieren, auf welchen Darknetseiten man welche Art von illegalem Zeug bekommen konnte.

Lukrativ war das Geschäft für die Betreiber von Deepdotweb wohl deshalb, weil sie Pressemeldungen zufolge von den Darknetportalen Provisionen erhielten und angeblich sogar Geld verlangten, um auf ihrer Seite gelistet zu werden und damit mehr Kunden und Verkäufer zu gewinnen. So sollen die Betreiber Millionen von Dollar verdient haben.  Laut der Times of Israel kam es im Zusammenhang mit dem Linkportal Deepdotweb zu mehreren Festnahmen in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Brasilien und Israel.

Dass die Behörden gegen ein reines Linkportal vorgehen, stellt ein Novum dar – es passt aber zu den jüngsten Aktionen. Schon in der Pressekonferenz zum stillgelegten Wallstreet Market betonte man, dass ein großes Ziel sei, die Nutzer vom Darknet zu verunsichern und aufzuzeigen: Wir, der Staat, spielen mit und sind auf Augenhöhe!

Nüchtern betrachtet wachsen der Darknet-Hydra jedoch nach dem Abschlagen von selbst wichtigen Köpfen sofort mehrere neue nach. Dieses Spiel wird solange weitergehen, wie die Nachfrage nach bestimmten Rauschmitteln illegalisiert wird.

Was wäre also die Lösung?

Eine mögliche Lösung würde als Modellversuch die komplette Legalisierung solcher verbotenen Betäubungsmittel wie Cannabis, Amphetamin, Kokain, LSD, Extasy, aber auch Heroin und Crystal Meths darstellen – zum Beispiel nach obligatorischer Beratung apothekenpflichtig erwerbbar. Nach 10 Jahren könnte man dann Bilanz ziehen und schauen, ob die Gesellschaft durch den “War on drug” mehr Nutzen hatte oder durch die Volllegalisierung. Natürlich gäbe es dagegen legitime Einwände. Aber eine Volllegalisierung würde die Justiz und Polizei sehr entlasten und Ressourcen zur Bekämpfung wirklicher Kriminalität freisetzen. Zum anderen würde man dem mafiösen Schwarzmarkt und der organisierten Kriminalität die Finanzierungsgrundlage entziehen. Stattdessen wandern die Gewinne als Steuern zum Staat, der davon Suchtarbeit, Prävention, Folgeschäden und weiteres bezahlen kann. Dabei muss es gar nicht um eine Gewinnrechnung gehen – Alkohol verursacht in Deutschland jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von ca. 25 Milliarden Euro (!), spült aber nur 4 Milliarden Euro Steuern in die Kasse. Viel mehr geht es um Selbstbestimmung und freiheitliche Entfaltung; niemand sollte einem anderen diktieren dürfen, welche Substanz er konsumieren darf und welche nicht!

tl;dr

Deepdotweb.com wurde als Darknet-Linkverzeichnis aktionistisch stillgelegt, erzeugt aber sofort neue Nachfolger. Es erscheint fraglich, ob das Problem, welches man ja angeblich lösen will, mit dieser Strategie beseitigt werden kann – oder ob man nicht völlig neue Wege diskutieren sollte…

Drogen bestellen und online kaufen im Internet

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