Kann man als Laie synthetische Drogen zuhause selbst herstellen? Eine wissenschaftliche Arbeit untersuchte das am Beispiel von 2C-B

Das Bild zeigt ein improvisiertes Drogenlabor zur Drogenherstellung zuhause
Improvisiertes Drogenlabor zur Herstellung synthetischer Drogen zuhause (by VEK0 Online)

Weit verbreitet ist die Meinung besonders unter Laien, dass es sicherlich möglich ist, ohne Weiteres zuhause synthetische Drogen selbst herstellen zu können. Doch ist dem wirklich so? Was sagt die Wissenschaft dazu?

Eine öffentlich zugängliche Schweizer-Abschlussarbeit mit dem Titel "Kann Frau M. in ihrer Waschküche synthetische Drogen herstellen?" aus dem Jahre 2002 widmete sich dieser Frage.

Dazu entschied sich die Autorin unter transparenter Nennung der Kriterien (u.a. leichte Beschaffbarkeit der Chemikalien auch für Laien) letztendlich für die halluzinogene, vor allem in der Partyszene sehr beliebte Droge 2C-B.

In ihrem Fazit kommt sie dabei nach Versuch der 2C-B-Synthese und Selbstherstellung zu dem Schluss, dass es, anders als man denken könnte, grundsätzlich für Laien nicht möglich sei, zuhause synthetische Drogen selbst herzustellen.

Im Schlussteil schreibt sie dazu:

Durch die gesammelten Erfahrungen im Arbeitsprozess sage ich also, dass es der Laie nicht schafft, selber, das heisst ohne Beziehungen und fachkundige Hilfe, synthetische Drogen zu produzieren [hier 2C-B]. Die Begründung für dieses Resultat, liegt in den Schwierigkeiten, die auf dem Weg hierhin aufgetaucht sind. Ich habe in einzelnen Kapiteln die entstandenen Probleme bei Kapitelende nochmals herausgeschält. Auf diese Punkte möchte ich nun nochmals eingehen, um das vorliegende Resultat zu belegen.

Während der Literaturrecherche sind Fragen aufgetaucht (siehe unter 3.2.), die sich nun beantworten lassen. Ralph Parnefjord sagt in seinem Buch, dass es mit ausreichendem Willen und Wissen möglich ist, Drogen herzustellen. Ausreichendes Wissen ist mal primäre Voraussetzung dafür. Das Wissen, wo zu welchen Informationen zu kommen und dann Informationen auch umsetzen zu können, ist elementar. Das Wissen kann man sich natürlich als Fachperson aber auch als „Freak“ zu eigen gemacht haben. Der Laie kann sich durchaus zu einem „Freak“ entwickeln. Das aber braucht Zeit und vor allem einen harten Willen, wie es Parnefjord sagt. Ohne Wille und ausserordentlichem Interesse scheitert man ziemlich schnell an der Fachliteratur. Somit ist auch klar, dass fachlich Interessierten automatisch mehr Literatur zur Verfügung steht, weil sie mehr begreifen.

Aber auch das genügt noch nicht. Man muss auch noch an gewisse Dinge rankommen, was nicht immer der Fall ist. Dies hat sich im Kapitel 4, bezüglich den chemischen Datenbanken, gezeigt. Ein Laie ohne Beziehungen hat keine Zugänge zu solchen Datenbanken. Und diese sind heute nun mal zentral bei der Suche nach einer expliziten Synthese. Der Begriff „einschlägige Literatur“ tönt noch immer etwas rätselhaft. Sicher zu sagen ist aber, dass nicht so mir nichts dir nichts irgendwelche Kochrezepte für Drogen in irgendwelcher Literatur vorliegen. Vielmehr müssen die Einzelheiten mühsam zusammengesucht werden. Zu ausreichendem Wissen gehört in meinen Augen aber nicht nur den Besitz der Fähigkeit, sich ein Drogenkochrezept zusammen zu basteln, sondern auch Erfahrung mit der Arbeit im Labor. Grundsätzlich kommt der Laie nicht zum Ziel, wenn ihm die Umsetzung in die Praxis gänzlich fehlt.

Das Fazit geht noch weiter und die Arbeit ist allemal interessant. Allerdings müssen einige dieser Argumente als überholt gelten.

Im Zuge der Internetentwicklung gibt es heutzutage tatsächlich einfache Schritt für Schritt Anleitungen zur Herstellung von Drogen für jedermann, etwa der DMT Herstellung und Extraktion. Allerdings gibt es hier große Unterschiede. Das halluzinogene DMT etwa kann jeder Anfänger selbst herstellen, es handelt sich eigentlich nur um einen Extraktionsprozess. Der Wirkstoff wird von dem Pflanzenmaterial per Lösungsmittel in einem Glas getrennt, das war’s.

Aber bei der Herstellung von Amphetamin oder LSD bedarf es schon wesentlich mehr an Gerätschaften, Ausgangschemikalien und Know-How. Hier wird quasi "aus dem Nichts" eine neue Substanz hergestellt. Wir verlinken jetzt keine Anleitung zur Speedherstellung, aber auch diese gibt es (auf englisch) im Netz.

Man muss also unterscheiden bei der Drogenherstellung: Einfaches Extrakt oder aufwendige Synthese? Ersteres kann jeder Konsument problemlos Zuhause alleine bewerkstelligen (oft per reinem Alkohol als Lösungsmittel) und dient meist dem Eigenbedarf (wird bspw. bei Giftlattich und Holzrosensamen gerne so gehandhabt). Letzteres hingegen erfordert ein Kleinlabor und die Ausgangsmaterialien, ist also zuvorderst für kommerzielle Anliegen geeignet. Bitte haltet aber von solch illegalen Handlungen Abstand!

Das alles Geschilderte war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Jahre 2002 natürlich noch nicht so. Auch gab es damals noch kein Darknet, in dem sich Leute Drogen bestellen konnten und ebenso von dort eigentlich streng regulierte Chemikalien zur Drogenherstellung kaufen. Gleichfalls gibt es heute unzählige Datenbanken mit allen möglichen Angaben über wohl fast jede Chemikalie online einzusehen. Der Laie muss also nicht mehr in die Bibliothek, sondern folgt "idiotensicheren" Onlineanleitungen.

So gehört es schließlich in den USA mittlerweile zum Alltag von Crystal Meth Konsumenten und Dealern, sich per simpelster Methoden Methamphetamin selbst herzustellen. Dazu bedarf es nur ein paar Plastikflaschen, rezeptfreier Hustentabletten und einiger anderer frei verkäuflicher Chemikalien aus dem Supermarkt oder Baumarkt. Natürlich liegt im Endresultat keine reine Droge vor, aber es reicht den Konsumenten.

Aus diesen genannten Gründen kann die vorliegende Arbeit als stellenweise überholt und veraltet gelten, birgt nichtsdestotrotz aber dennoch wertvolles, zusammengetragenes Wissen. Sie zeigt außerdem, wie radikal sich ein Medium (hier das Internet) verändern kann – vormals als Unmöglich geglaubte Dinge werden Realität. Die Arbeit vermittelt also die heute naiv scheinende Vorstellung, dass die gegebenen Dinge als unveränderbar wahrgenommen werden und entsprechend als Konstante Einzug in wissenschaftliche Betrachtungen finden. Eine Lehre daraus: verlässliche Aussagen mit Zukunftsbestand sind bei insbesondere neuen Technologien nur schwer möglich.

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